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#BloggerDenkenNach werden auf
Average Pony monatlich neue Themen der Aspekte "nachhaltig, fair und ökologisch" zur Diskussion gestellt. Anfang Mai wurde das spannende und aktuelle Thema
"Von Aal bis Zebra - Wen esse ich, wen nicht?"
ausgewählt, für das ich zum ersten Mal posten möchte. Eine einfache Antwort wäre für mich natürlich: Keinem einzigen Lebewesen sollte für unseren Genuss Leid zugefügt werden - denn sie sind alle gleich viel Wert. Man merkt: Ich lebe vegan. Meine persönlichen Gründe für diese Entscheidung, findet ihr unter "
Warum vegan". Die Antwort auf
diese Frage ist für mich jedoch eine andere, denn ich interpretiere das Thema etwas offener: Wo liegt bei mir eine Grenze beim Konsum tierischer Produkte? Oder: Wie weit gehe ich mit meiner Einstellung, keine tierischen Produkte zu konsumieren? Und wie weit gehe ich damit anderen Menschen auf den Wecker?
Schön wäre es ja, wenn kein Tier leiden müsste. Um das von heute auf morgen zu erreichen, bestünde jedoch nur die Möglichkeit, alle Menschen sofort zu Veganern zu erklären. Schade nur: In einer aufgeklärten, freien Welt darf keine Lebensweise und Glaubensrichtung von einer zentralen Macht vorgegeben werden. Ich bin schließlich FÜR die Demokratie. Ich befinde mich also in einem Schlamassel, denn ich muss offensichtlich in einem Wirtschaftssystem leben, das für mich falsch und für die Tiere brutal und würdelos ist. Aber zumindest demokratisch. Ich bemühe mich, das zu tolerieren und mich damit zufrieden zu geben, dass gerade ein kleines Umdenken in der Bevölkerung stattfindet. Und doch fällt es mir schwer, freundlich zu nicken, wenn mein Gegenüber mit dem Mund voller Salami stolz verkündet, dass er nur "Gutes" Fleisch kauft und sowieso nur sehr selten.
Das ist doch keine Grenze, das ist Selbstbetrug?
"Ich würde auch gerne vegan leben - aber auf Käse könnte ich niemals verzichten!". Was soll ich dazu noch sagen? Dass jeder einzelne Mensch definitiv in der Lage wäre, auf Molkereiprodukte zu verzichten? Und es obendrein auch noch sehr gesund sein KANN (Achtung: Hier ist jeder Mensch eigenverantwortlich in der Pflicht).
Wer gibt mir schon das Recht, so zu urteilen. Schließlich bin ich nicht allwissend und außerdem habe ich gestern erst ein Gericht gegessen, von dem ich im Nachhinein erfuhr, dass ein Löffel Honig untergerührt wurde. BÄM: Der Titel für den "schlechtesten Veganer des Monats" geht an grünartig! Aber keine Sorge: Dafür habe ich dann gleich ein HEIDENgeld auf dem ökologischen Wochenmarkt für regionalen Spargel ausgegeben. Hat ein bisschen was von Ablasszahlung zum Erlass meiner Sünden, oder?
Fakt ist, dass die Formel: "Je konsequenter der Verzicht, desto besser der Mensch" nicht aufgeht. Es ist doch schließlich so: Rutsche ich mit einem ablehnenden, überheblichen Auftreten in das soziale Aus, kann ich niemanden zum Nachdenken inspirieren, sondern schrecke nur ab. Dann sind wir Veganer im besten Fall Spaßbremsen, im schlechtesten schon Extremisten. Aber wenn ich wirklich an den "Veganismus" glaube, dann habe ich doch die Aufgabe, Menschen durch gute Argumente langfristig zu überzeugen. Da hilft es nichts, wenn der Lebensstil als Modetrend gehypt wird und in zwei Jahren seinen Reiz verliert.
Der Veganismus entsteht aus sich selbst und ist darauf angewiesen, dass er sich ausbreitet.
Denn nur das bringt die Industrie zum Umdenken, die Tierhaltungbedingungen zu verbessern und Massentierhaltung komplett abzuschaffen. Als kleine pseudoelitäre Randgruppe hilft das Prinzip niemandem. Dazu gehört dann auch, oppositionelle Nichtveganer von der Überzeugung zu begeistern, anstatt sie zu bekämpfen (wie es leider
hier geschah). Diplomatie als Lichtschwert-Joker quasi.
Aber wie schafft man das? Vielleicht sind das gerade die oben genannten "Grenzen"? Kleine Erfolge feiern, auch wenn sie nicht konsequent sind. Schritt für Schritt vorangehen und niemanden für die eigene Einstellung verurteilen. Aufklären ohne erhobenen Zeigefinger und Hilfe leisten, wenn sie gebraucht wird.
Mein Fazit
Anstatt sich auf ein Schwarz-Weiß Denken zu versteifen (Darf ich jetzt diesen Essig über mein Salat geben oder muss ich dafür eine halbe Stunde hungrig die Herkunft im Internet recherchieren?), sollte man pragmatisch bleiben. Nachdenken hilft immer, gutes Tun sowieso und Spaß am Leben sollten wir uns bewahren. Nur so verbreitet man seine Ideale positiv und kann ein Vorbild für andere Menschen sein.
Ich also freue mich ab sofort, wenn mir Freunde von ihren Versuchen berichten, eine Woche ohne Fleisch zu leben. Wir alle fangen klein an, wir alle scheitern mal. Wer ist schon perfekt?
Menschen mit ihrem angeborenen Egoismus sicher nicht - wenn überhaupt, dann sind es die Tiere.